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Die WB-Geschichte

Adolf Kuhn Sen., der Gründer des Willisauer Boten.

Wie alles begann

1883 kam der aus Wohlen stammende Adolf Kuhn-Breitschmid als Schriftsetzer in die damalige Druckerei von Konrad Kneubühler nach Willisau. Kneubühler gab im Jahr 1851 die erste Zeitung auf der Luzerner Landschaft heraus, das freisinnig und kämpferisch geführte Wochenblatt „Der Hinterländer“.

Bereits vier Jahre später machte sich Kuhn in Willisau selbständig. Im Frühjahr 1887 gründete er die „Buch- und Accidenz-Druckerei Ad. Kuhn“. Für 1800 Franken kaufte er in Luzern eine Handhebelpresse samt Zubehör (diese steht noch heute im WB-Gebäude).

Am 14. Mai erschien die erste Nummer seines Wochenblattes „Willisauer Bote“.

Die erste Druckmaschine des WB

Kuhn wollte nicht ein politisches Blatt schaffen, sondern ein Anzeigeorgan für das Gewerbe von Willisau und Umgebung. Die Inserate erschienen denn auch sehr prominent in den ersten Jahren. Dafür waren die ersten beiden Seiten des vierseitigen Wochenblatts vorgesehen. Die beiden letzten Seiten füllte Kuhn mit Beiträgen über lokalgeschichtliche Ereignisse, gemischte Kleinnachrichten aus dem In- und Ausland und gelegentlich dieser und jener moralischen und religiösen Betrachtung.

1901 kaufte Kuhn eine Zylinder-Tretmaschine, mit der zwei Seiten des WB miteinander gedruckt werden konnten. Später wurde diese Maschine elektrifiziert.

Gedruckt wurde der WB zuerst in zwei verschiedenen Gebäuden im Grund, später eine Weile im Grabenweg. Seit 1906 ist der WB auf dem heutigen Areal am Viehmarkt zuhause.

Die alte Druckerei am heutigen WB-Standort am Viehmarkt

Der Willisauer Bote erschien bis 1924 einmal in der Woche am Samstag, dann zweimal und von 1940 bis 2004 dreimal pro Woche.

Das „Konservative Organ“

Nach der Jahrhundertwende entstanden im Amt Willisau zwei neue Zeitungsorgane, die beide in Reiden erschienen: 1902 der „Lokal-Anzeiger für Reiden und Umgebung“ (ab 1904 „Der Oberwiggertaler“),

1913 die „Luzerner Nachrichten“. Während der eher katholisch-konservative „Oberwiggertaler“ ausdrücklich als neutral gelten wollte, bekannten sich die „Luzerner Nachrichten“ offen zum Freisinn und nahmen rege an der politischen Auseinandersetzung teil.

Die Neuerscheinungen führten zu einer verschärften Konkurrenz. Das veranlasste Adolf Kuhn, auch mit seinem „Willisauer Boten“ Flagge zu bekennen. Er änderte den Untertitel in „Konservatives Organ und allgemeiner Anzeiger für das luzernische Hinterland und Umgebung“. Am Inhalt änderte sich daran kaum etwas.  Auch nicht, als das Geschäft 1916 nach dem Tod von Vater Adolf auf Sohn Adolf Kuhn Jun. überging.

Der Streit mit Partei und Kirche

Kuhn Juniors zwar klar katholisch-konservative, aber relativ unpolitische, redaktionell wenig ambitionierte und vor allem unabhängige Haltung störte Vertreter von Kirche und konservativer Partei immer mehr. Es kam zu Reibereien und zu öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Seiten. Vor allem Pfarrhelfer Stephan Troxler, der sich sehr aktiv für die „katholische Sache“ einsetzte und in mehreren Vereinen wichtige Funktionen inne hatte, störte sich an Kuhns Haltung. Er wollte daher eine eigene, „dem konservativen Staatsdenken und dem christlichen Gedankengut verpflichtete Zeitung“ herausgeben. Darin wurde er von einem Teil der konservativen Politiker lebhaft unterstützt. 1921 gründete er zusammen mit regionalen Parteiführern die Pressegenossenschaft Willisau. Die Genossenschaft bezweckte laut Statuten „…die Förderung und Unterstützung der katholischen Presse in den Gemeinden des Luzerner Hinterlandes und den übrigen Teilen des Kantons Luzern“. Zum damaligen „Willisauer Boten“ sagt das Protokoll: „Die Zeitung lag in der Macht eines Einzigen und man sah sich dem Wohl- oder Übelwollen seines Verlegers ausgeliefert und die bestehenden Verhältnisse erwiesen sich je länger je mehr als unhaltbar.“

Die „feindliche Übernahme“ durch die Genossenschaft

An einer ausserordentlichen Generalversammlung am 20. November 1920 beschloss die Genossenschaft „fast mit Einstimmigkeit“ die Herausgabe einer eigenen Lokalzeitung. Sie sollte „besonders die religiöse und soziale Stellung der Familie fördern, aber auch den politischen und wirtschaftlichen Fragen die gebührende Aufmerksamkeit schenken“. Die Zeitung erhielt den Namen „Die Familie“ und erschien erstmals in der zweiten Dezemberwoche 1921. Gedruckt wurde in einem Gebäude in der Nähe des Bahnhofs. Noch heute wird dieses „Vatikan“ genannt, weil dort die katholische Zeitung gedruckt wurde.

Doch trotz eigener Zeitung war das erklärte Ziel der Genossenschaft, den etablierten „Willisauer Boten“ zu übernehmen. Mit Adolf Kuhn wurden laut Protokoll „zähe und nicht gerade zimperlich zu nennende Kaufsverhandlungen“ geführt – bis dieser nachgab. „Die Familie“ existierte noch einige Jahre als WB-Beilage weiter.

Das konservative Streitblatt

Der WB wurde nach der Übernahme durch die Genossenschaft tatsächlich politischer und umfangreicher. Das hatte allerdings bereits vorher begonnen. 1922 stellte Kuhn, der die Redaktion bislang selbst besorgt hatte, einen Redaktor ein – wohl nicht zuletzt als Reaktion auf den zunehmenden Druck. Der aus Baden stammende Adalbert Eggspühler führte die Zeitung bis 1924. Auf ihn folgte bis 1952 Josef Fischer-Jurt.

Der WB war nun für Jahrzehnte das konservative Streitblatt des Hinterlands. Die lokalen und überregionalen Parteigrössen hielten die Aufgabe der Lokalpresse für äusserst wichtig und entscheidend, und zwar „sowohl im Hinblick auf den konkreten parteipolitischen Nutzen bei Wahlen als auch für die Erziehung des Publikums zu einer möglichst reinen und hehren Weltanschauung“ (Max Huber: Geschichte der politischen Presse im Kanton Luzern 1914-1945). Der publizistische Schwerpunkt lag bei der Parteipresse mehr auf dem Gebiet der Interpretationen und Kommentierung als auf jenem der Information.

Die antikommunistische Haltung war das wichtigste Element im „ideologischen Baukasten“ der bürgerlichen Landpresse der Zwischenkriegszeit. Ebenfalls immer präsent, besonders in den Wahlkampfzeiten, war die Gegnerschaft zu den Liberalen. Auch antisemitische und gegen die Freimaurer gerichtete Texte waren in der katholisch-konservativen Presse immer wieder zu lesen.

Im Verlauf des Jahrhunderts änderte sich die publizistische Haltung der Zeitungen. So wurde auch der WB immer mehr zum parteipolitisch und religiös neutralen und offenen Blatt, welches er heute ist.

Der Ausbau

1948 entschloss die Genossenschaft, für die Druckerei und die Redaktion einen Neubau zu erstellen. Dafür kaufte sie 1000 Quadratmeter Bauland zu 12 Franken und nahm einen Baukredit von 200’000 Franken auf (ein Jahr später wurde dieser um 135’000 Franken erhöht). Am 7. September erfolgte der Spatenstich, im Juni 1949 konnte der Neubau bezogen werden.

1952 gab es einen Chefredaktorenwechsel: Franz Josef Kurmann folgte auf Josef Fischer. Kurmann wurde 1977 von Josef J. Zihlmann abgelöst.

Im November 1953 kaufte der WB für den Zeitungsdruck die Rotationsmaschine „Vomag“.

1962 folgte eine zweite Bauetappe. Dazu wurde ein Baukredit von 500’000 Franken aufgenommen und das Genosschenschaftskapital auf 250’000 Franken erhöht. Bereits im November konnte  der Setzmaschinenraum im Neubau bezogen werden, kurz darauf auch das Verwaltungsgebäude.

Ein Setzer bei der Arbeit

Die technischen Umwälzungen

Die grossen Änderungen, die im publizistischen Bereich der Zeitungen in den letzen 125 Jahren geschahen, verblassen im Vergleich zu den Änderungen im technischen Bereich.

Besonders rasant veränderte sich die Zeitungsherstellung in den letzten Jahrzehnten. 1981 stellte der Willisauer Bote seine erste im Offsetverfahren gedruckte Zeitung her. Mit dem Kauf einer Offsetdruckmaschine machte der WB den ersten Schritt hin zur Modernisierung der Zeitungsherstellung. 1983 nahm der WB Abschied vom alten Bleisatzsystem. Bleisetzmaschinen wurden zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren nicht mehr hergestellt. Neu arbeitete der Willisauer Bote nun mit dem Fotosatzsystem. Angeschafft wurde das System Linotype 4 E.

Der Wechsel vom Bleisatz zum Fotosatz war eine gewaltige Umstellung. Mit dem Einsatz von Bildschirm und Computern wurde vieles von dem ersetzt, was sich seit Gutenberg im Verlauf der Jahrhunderte kontinuierlich entwickelt hat. Die Umstellung verlangte von allen betroffenen Mitarbeitern grosse Anstrengungen und ein grundlegendes Umdenken. Mit dem neuen System ging auch ein etwas verändertes Erscheingungsbild mit grösserer Schrift einher, nachdem dieses bereits 1981 überarbeitet worden war.

Ein weiterer „Outfit“-Wechsel erfolgte mit der Ausgabe vom 20. April 1996 anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Genossenschaft: Der WB erschien in der neuen, von Niklaus Troxler gestalteten Aufmachung. Sie ersetzte das Layout von 1984 und den seit rund 90 Jahren verwendeten Zeitungs-Kopf. Mit dem neuen Erscheinungsbild erhielt der WB eine neue inhaltliche Gliederung und ein verstärktes redaktionelles Angebot: Etwa mit der Seite 2 als Nachrichtenseite, der neuen Seite „Kanton Luzern“ oder dem Veranstaltungskalender. Jeden Samstag enthielt der WB zudem eine neue Kulturseite, die auch Gastkolumnisten Platz bot.

Die Geburt des Wiggertaler Boten

Der WB vom 30. April 2004 markierte einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Lokalzeitung: Mit dieser Ausgabe bekam der Willisauer Bote eine Splitausgabe, den Wiggertaler Boten. Dieser stärkt noch heute die Position des WB im  Wiggertal. Die beiden Zeitungen unterscheiden sich nur im Titelblatt. Zum neuen Konzept gehörte die inhaltliche Gliederung in vier Bünde: Kanton, Hinterland/Rottal, Wiggertal und Sport. Erneut unterzog sich der Willisauer Bote auch einem „Facelifting“: Roger Wermelinger von der Willisauer Agentur frontal gestaltete den WB völlig neu. Es entstand das Layout, mit dem der „Böttu“ noch heute erscheint. Gleichzeitig gab es weitere grosse Änderungen: Die beiden Zeitungen erscheinen nur noch zwei Mal wöchentlich, am Dienstag und am Freitag. Zudem ging die Ära des Zeitungsdrucks in Willisau zu Ende. Seit 2004 wird der WB im Druckzentrum der NLZ in Adligenswil gedruckt. Die drucktechnischen Möglichkeiten und die Druckqualität, die sich so boten, wären auf der Maschine, auf welcher der WB bisher gedruckt worden war, ein Wunschtraum geblieben. Die eigene Zeitungsdruckmaschine war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt.

Gründung der SWS Medien AG

 „WB und S-Medien gehen zusammen“ – diese Schlagzeile lasen die Leserinnen und Leser in der Zeitungsausgabe vom 4. Mai 2007. Der WB beteiligte sich mit einem massgeblichen Aktienpaket am Seetaler Boten, der Lokalzeitung des Seetals. Mit dem Zusammengehen trafen die beiden Unternehmen für den Druckereibereich einen strategischen Entscheid. Erklärtes Ziel: die mittelfristig gefährdeten Druckereien auf eine solide Basis zu stellen und so dazu beizutragen, der Luzerner Landschaft ein leistungsfähiges Druckunternehmen zu erhalten. Um dies zu erreichen, gründeten die beiden Unternehmen per 1. Januar 2008 gemeinsam die SWS Medien AG Print und die SWS Medien AG Verlag – SWS wie Sursee-Willisau-Seetal. Mit der Übernahme der S-Medien AG, Sursee und Hochdorf, wurde die Genossenschaft Willisauer Bote Medien und Print mit Sitz in Willisau zu einer Holding. Ihre Tätigkeit beschränkte sich auf die Liegenschaft Am Viehmarkt 1 in Willisau sowie auf ihre 100-Prozent-Beteiligung an ihren beiden Tochterfirmen SWS Medien AG Print und SWS Medien AG Verlag, an die sie ihre Zeitungen verpachtet hat.

Ein Wechsel auf dem Chefredaktoren-Posten beim WB steht im Jahr 2009 an: Stefan Calivers tritt per 1. Juli 2009 die Nachfolge von Josef J. Zihlmann an. Josef J. Zihlmann übernahm 1976 als 28-Jähriger das Zepter auf der WB-Redaktion.

Die multimediale Zukunft

Einen grossen Schritt in die multimediale Zukunft machte der WB am 25. August 2009: Seit diesem Tag liefert der WB einen regionalen Rundum-Informationsservice, den WB-Allmedia-Dienst. Der WB erschien im Internet auf www.willisauerbote.ch oder www.wiggertalerbote.ch mit einem völlig neu gestalteten Auftritt. War die WB-Website bisher auf die Wiedergabe der Titelseite der Zeitung beschränkt, zeigt sie seither laufend aktualisierte Kurznachrichten aus der Region. Gleichzeitig liefert der WB seine regionalen News auf spezielle TV-Bildschirme in verschiedenen Geschäften und Cafés. Im November 2009 war der WB-Allmedia-Dienst komplett: Mit WB-Mobile wurden die neusten Nachrichten aus dem Hinterland und Wiggertal nun auch auf dem Smartphone angezeigt.

Am Freitag, 28. Mai 2010, ging eine lange Ära zu Ende: Mit grossem Mehr stimmte die Generalversammlung der Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft zu. Oberstes Ziel der Umwandlung: die gesicherte Existenz der Zeitungen Willisauer Bote/Wiggertaler Bote und Seetaler Bote.

 Als eine der ersten Lokalzeitungen der Schweiz ist der Willisauer Bote/Wiggertaler Bote seit dem 8. April 2011 auch in digitaler Form als sogenanntes E-Paper erhältlich.

Anfang Oktober 2011 trat Sabine Galindo ihre Aufgabe als Geschäftsleiterin der SWS Medien AG Verlag und damit als Verlagsleiterin des WB an. Sie folgte auf Josef J. Zihlmann, der in den vorzeitigen Ruhestand trat.

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